Der Ball ist rund, nach dem Spiel ist vor dem Spiel und wenn der Sport-Club Freiburg auf den 1. FSV Mainz 05 trifft, dann kann sich auf einen von der ersten bis zur letzten Sekunde andauernden Abnutzungskampf eingestellt werden. Auf manche Fußballgesetze ist einfach Verlass. Natürlich sind derartige Einschätzungen zu weiten Teilen nichts weiter als plumpe Weizenbier-Stammtisch-Floskeln, doch tatsächlich folgt auch der letztgenannte Aspekt einem wiederkehrenden Muster, wie ein Blick in die Statistikbücher zeigt.

Von ligen- und wettbewerbsübergreifend des Öfteren torarmen 49 Partien stehen 17 rheinhessische Triumphe 16 Freiburger Erfolgen bei ebenso 16 Unentschieden gegenüber. Sollte die 50. Begegnung nun also aus der Reihe tanzen? Also mit Blick auf die Tabelle war dies sicherlich schon vor Spielbeginn der Fall. Denn nachdem sich die Truppe aus der rheinland-pfälzischen Landeshauptstadt bei acht absolvierten Spielen in der zweiten Saisonhälfte den Status als zweitbeste Rückrundenmannschaft erarbeitet hat und auch der Sport-Club Mitte März eine Serie von sechs Spielen ohne Niederlage und Gegentor vorweisen kann, stand tatsächlich das Duell zwischen dem Dritt- und Fünftplatzierten und somit schlichtweg ein absolutes Topspiel auf dem Programm. Wenn man bedenkt, dass sich die aufeinandertreffenden Kontrahenten als eingetragene Vereine noch zu 100 % in den Händen ihrer jeweiligen Mitglieder befinden und nicht wenige Konzerntöchter sowie börsennotierte Unternehmen in der Tabelle hinter sich lassen, dann ist dieser Umstand eigentlich nicht hoch genug einzuordnen – für einen überzeugten Fußballromantiker, wie ich es bin jedenfalls.

Als solcher musste zwar wie bei den vergangenen Besuchen am Mainzer Europakreisel abermals etwas geschluckt werden, als von der Autobahn bereits das eigenwillig errichtete Bauwerk von „Stadion“ im Nichts erblickt werden konnte. Doch immerhin war rund um das jüngste Gefecht zwischen dem Fußball- und Sportverein und dem SCF für einen besonderen Rahmen gesorgt, indem die Rheinhessen ihr 120-jähriges Vereinsbestehen zelebrierten. So lief die Heimmannschaft im Jubiläumsdress auf und auf der Anzeigetafel war anlassbezogen das Wappen der Stadt und nicht das heutige Vereinslogo zu sehen, wobei auch das Emblem des Sport-Clubs nicht vom gewohnten Motiv, sondern von einem Trikotaufnäher aus den 1920er-Jahren geziert wurde. Ein kleiner, aber feiner auf den Jubiläumstag abgestimmter Umstand, der aus meiner Sicht gelungen war.

Weniger glücklich, geschweige denn irgendwie authentisch ist die in Mainz vor und situativ auch während dem Spiel, beispielsweise wenn der Schlussmann einen unspektakulären Torabschluss pariert, an den Tag gelegte Praxis, die Atmosphäre auf den Rängen via Lautsprecherdurchsage künstlich anzuheizen. Nervt einfach nur und kann für die nächsten 120 Jahre gerne unterlassen werden. Ansonsten gehört Mainz sicherlich nicht zu den unsympathischeren Standorten auf der deutschen Fußballlandkarte und auch die Choreo zum Einlaufen der 22 Akteure wusste zu überzeugen. Dabei wurde auf allen Tribünen ein Meer aus roten Motto-Fahnen gezeigt und im Bereich der organisierten Gruppen eine Blockfahne hinaufgezogen, welche mit viel Liebe zum Detail die historische Bindung zwischen Verein, Stadt und Fans abbildete. Ergänzt wurde die Szenerie von weißen Luftschlangen und goldenem Konfetti. Auch im Gästeblock sollte bis in die oberen Reihen manche Fahne wehen, was jedoch nicht auf ein Intro, sondern auf den von CRL gewählten Platz oberhalb des Mundlochs zurückzuführen war und so ein ansehnliches weiß-rotes Tifobild über die gesamten Stehplätze begünstigte. Zudem wurde dieses ebenso über das Spiel hinweg auch immer mal wieder von einzelnen Fackeln untermalt.

Auf den Rängen war also schon mal der ein oder andere Hingucker geboten, was auf die Angelegenheit auf dem Rasen nicht unbedingt zutraf. Innerhalb der ersten halben Stunde wollte keine der beiden Mannschaften die Handbremse lösen und so beendete Burkardt Atubolus‘ Serie von 610 Minuten ohne Gegentor mehr oder weniger aus dem Nichts, als der Mainzer Stürmer nach einer Hereingabe Sildillia entwischt war. Doch die Freude im Lager der Hausherren währte nur von kurzer Dauer, da Kohr nach einem strafwürdigen Vergehen als letzter Mann noch vor dem Seitenwechsel mit dem roten Karton des Feldes verwiesen wurde. Die Karten für den zweiten Abschnitt wurden also neugemischt und schon recht bald durfte der verdiente Ausgleich bejubelt werden, als der zur Pause eingewechselte Gregoritsch in des Gegners Gehäuse einköpfte.

Der Sport-Club war nun klar am Drücker und mit der numerischen Überzahl sprangen beste Torchancen heraus, um das Spiel in Richtung Auswärtssieg zu drehen. Auch in der Gästekurve, die unter akustischen Gesichtspunkten für meine Begriffe das Maximum an Potential schuldig blieb, aber insgesamt doch einen absolut zufriedenstellenden Auftritt abrufen konnte, ließen sich in dieser Phase die Gesänge nochmal mit ein paar Prozent mehr vortragen und die Überzeugung machte sich breit, dass der in der Luft liegende Führungstreffer nur noch eine Frage der Zeit sein sollte. Aber der Sport, in den man sich im Kindheitsalter für alle Zeit untersterblich verliebt hat, lebt nun mal vom Faktor des Unvorhergesehenen und nachdem sich zwei Protagonisten im Freiburger Defensivverbund bei einem der wenigen Entlastungsangriffe der Gastgeber gegenseitig selbst im Weg standen, lag das Spielgerät in Folge der daraus mündenden Slapstick-Szene doch im falschen Tornetz. Zwar konnten die Greifträger in Person von Kübler quasi postwendend erneut egalisieren, der absolut möglich gewesene Sprung auf die Siegerstraße gelang jedoch nicht mehr und es blieb beim Remis.

Eines, über welches man sich im Vorfeld der Begegnung vermutlich nicht beschwert hätte und nach Abpfiff doch ärgern musste. Zu verschwenderisch gingen die SC-Kicker letztlich mit einer Vielzahl von Abschlussmöglichkeiten um, um aus dem spielerischen Übergewicht Kapital zu schlagen und dem Konkurrenten aus der unmittelbaren Tabellenregion die Geburtstagssause zu verderben. Nun ja, Trübsal blasen war auch nicht das, was auf der Rückfahrt und dem weiteren Abend angesagt war, der nach früher Ankunft im Breisgau auch noch einen spontanen Kneipenbesuch bereithielt. Spätestens hier war dann auch der verdrießlichste Miesepeter in der Lage, einen Haken an die liegen gelassenen Zähler zu machen.

Daten & Fakten:

Begegnung: 1. Fußball- und Sportverein Mainz 05 e.V. – Sport-Club Freiburg e.V. 2:2 (1:0)
Wettbewerb: Bundesliga – 26. Spieltag
Wann und Wo: Samstag, 15. März 2025, Stadion am Europakreisel Mainz
Zuschauerzahl:  33.305, davon etwa 4.000 SC-Fans
Den Greif auf der Brust trugen: Atubolu – Sildillia (76. Kübler), Ginter, Lienhart, Günter – Eggestein (76. Höfler), Osterhage – Doan, Höler, Grifo (85. Beste) – Adamu (46. Gregoritsch)
Tore: 1:0 Burkardt (34.), 1:1 Gregoritsch (58.), 2:1 Hanche-Olsen (74.), 2:2 Kübler (79.)