
Hauptsache billig, das war wohl der Gedanke, welchen die meisten reisefreudigen Sport-Club-Fans beim Verfolgen der Conference-League Playoff-Auslosung im Kopf hatten. Als dann klar war, dass man aufgrund des engen Terminplans der UEFA (Mafia!) innerhalb von sieben Tagen eine Reise nach Helsinki oder Motherwell planen müsse, hatte sich der Gedanke an ein gedecktes Konto dann auch geschwind wieder erledigt. Nützt alles nichts, FÜR DEN SPORTCLUB ÜBER GRENZEN (besser Grenzen des Kreditkartenlimits…) ist schließlich das Geilste, was es gibt. Und so wurde Paypals „30 Tage Bezahlfunktion“ mal wieder maßlos strapaziert.
Schotten hassen Engländer (geil, ich auch) – Grundwerte stimmen also überein. Ab nach Schottland!
Die anderweitigen Lose und die damit einhergehenden Terminierungen machten die ganze Reise allgemein nochmal eine Brise interessanter. So spielte nicht nur der SCF in diesem Zeitraum in Schottland, sondern auch noch mittwochs der LASK bei Celtic, donnerstags Jablonec bei den Rangers und parallel in Edinburgh Rapid Wien bei den Hearts.
Für meinen Mitstreiter und mich begann die Reise bereits am Dienstagmorgen. Während mein Wegbegleiter (Arbeitszeitbetrüger!) die Wartezeit am Flughafen via Homeoffice als Arbeitszeit interpretierte, widmete ich mich der kulturellen Weiterbildung (lest mehr Fanzines!) und kümmerte mich ums obligatorische Flughafenbier.
Angekommen in Edinburgh direkt einmal festgestellt, dass es in Schottland schottisches Wetter gibt. Zum Glück gibt’s eine recht große Überschneidung an Klamotten, die sich sowohl für Fußball-Krawalle, als auch für Wanderungen an regnerischen Tagen eignen. Als erste Amtshandlung auf schottischem Boden direkt mal in die Tourifalle getappt und die doch recht einfache 15 Pfund Fish and Chips Portion, welche ihr Geld überhaupt nicht wert war, vertilgt. Fix alle Tourispots in Edinburgh abgehakt, damit auch Mutti die angeforderten Reisebilder schnellstmöglich bekommt. Anschließend dann noch auf ein (oder auch deutlich zu viele) Pint(s) mit dem Lad in den Pub, bevor der Abend sein Ende dann, im von uns etwas polterig betretenen, 6er Schlafsaal fand.
Teurer Abend, kurze Nacht, noch dezent Rest-Promille aufm Kessel. Wie oft kann man in Edinburgh für günstige 8 Pfund je Pint die lokale Bierwirtschaft unterstützen? Richtig – nicht oft genug! Wegbier geschnappt, kleine Wanderung und auf zum Flixbus, um nach Glasgow zu fahren. Auf dem Weg nach Glasgow eine wahnsinnig hohe Schafquote festgestellt, bevor man sich dann mit einer recht fertigen „Reisegruppe Nachtflug“ im Hotel am Kaffeeautomaten traf. Diese wurde aber auch schnell ohne Nachhilfe von Aufputschmitteln etwas wacher, als uns auf dem Hotelflur zwei Sportsfreunde aus Paris begegneten, welche von einem Celtic Atzen abgeholt wurden. In wie weit die Leute von Nautecia Paris den Ultra-Gedanken verkörpern, kann jeder für sich selbst beurteilen. Apropos Celtic, da wir nicht nur SC-Fans, sondern auch chronische Hopperschweine und Krawalltouristen sind, stand der Besuch des Spiels Celtic Glasgow gegen den Linzer ASK selbstverständlich auch auf unserer Agenda. Kurz die schlechteste Pizza meines Lebens vertilgt (nie wieder Pizza in GB!) und ab mit der U-Bahn zum Stadion. Selbstverständlich ohne Zugticket, wir sind schließlich Fußballfans – Fuck the system. In der U-Bahn die Feststellung gemacht, dass Schotten richtig geile Assis sind und die lokale Interpretation der englischen Sprache nach drei Bier eher nach besoffenen Holländern, als englisch sprechenden Individuen klingt. Celtic Park, Flutlicht, Champions-League und Nieselwetter, was will man mehr? Vorm Stadion werden von den bekannten Schalhändlern „IRA Strickhauben“ im Irland-Design verkauft – wie geil ist das denn?
Der Celtic Park ist einfach ein absoluter Fussballtempel, da schlägt das Hopperherz schon höher bei der Möglichkeit diesen Ground endlich ankreuzen zu können. Celtic mit sehr ansehnlicher Choreo in der neugegründeten „Nord Curve“, in welcher die Green Brigade und die Bhoys nun gemeinsam organisierten Support betreiben. Die Gäste aus Linz erleuchteten den Gästeblock mit einer kleinen Pyroshow hinter den Gruppenfahnen der Südachse, Linz City Group, Linzer Jungs, Viking Linz, Commando Urfahr, sowie einer Landstrassler Fahne und einer CS07 Zaunfahne, welche der Autor des Textes nicht zuordnen kann. Geiles Spiel (3:0 Celtic Sieg) garniert mit 50.000 tobenden Schotten, welche auf „I just can’t get enough“ das Stadiondach wegsangen. Tore von der 16er-Kante mit anschließendem Knierutscher vor die Heim- und Gästekurve, „absolute limbs“, wie der fachkundige Brite zu sagen pflegt. Allgemein lässt sich in Schottland, vor allem in Glasgow, eine sehr spannende Kombination der in Deutschland bekannten Fankultur, mit organisiertem 90 Minuten Support und Tifo und dem britischen Drang zu pöbeln und bei den Toren richtig auszurasten, beobachten. Bemerkenswert ist auch die antifaschistische und pro-palästinensische Haltung, die man zumindest bei der Green Brigade vertritt (based).
Nach dem Spiel noch auf ein Bier in den Pub und auf dem Weg zum Hotel mal eben am Fastfood Laden samt Linzer Haufen vorbei, welche sich grade noch was hinter die Futterluke klemmten. Praktisch, dass der deutschsprachige Fußballfan optisch, sobald es regnet, nicht mehr zu unterscheiden ist.
Da am Donnerstagmorgen noch etwas Zeit für den deutschen Assihaufen war, wurde jener mit einem kleinen Ausflug zur University of Glasgow genutzt. So schnappte man nicht nur etwas Harry Potter-Kulinarik auf, sondern sorgte auch für ein paar verdutze Blicke bei der schottischen High Society. Und weil ein solcher Trip logischerweise nicht ohne Wegbier zu bewältigen ist, traf uns die Tatsache tief ins Mark, dass in Schottland Alkohol im Supermarkt nur von 10-22 Uhr verkauft werden darf.
Armes Land, Fuck the Crown und scheiß Repressionsstaat!
Genug Geplänkel, schließlich wurde die Gefahr der Privatinsolvenz nicht für Urlaub, sondern den Sport-Club in Kauf genommen. Mittags ging es mit SYN, FA und EKS per Zug nach Motherwell (der Autor dieses Textes ist im Übrigen Top 10 Uno-Spieler im Land). Mieses Drecksloch, sieht genauso scheiße aus, wie’s klingt. Also ab zu Weatherspoons, einer britischen Gastronomiekette, bei der sich selbst der deutsche Pöbel das ein oder andere Kaltgetränk leisten kann. Von da aus Fußmarsch zum Stadion, Kaffeeschlacht mit Motherwell, dumme britische Bullen haben keinen Plan von Krawallprävention (geil) und lotsen deutschen Mob direkt am Motherwell-Haufen vorbei. Was kann da bloß schief gehen???
Erneut schottisches Wetter in Schottland und „optionale Einlasskontrollen“ ☺, daran könnte man sich gewöhnen.
Der Fir Park entspricht schon sehr der Vorstellung, welche man von Stadien auf der Insel hat.
Mitten im Wohngebiet, geile abgewichste britische Bude und keine Tribüne gleicht der andern. Das macht schon deutlich mehr Spaß, als Woche für Woche in seelenlosen, modernen deutschen Stadien zu stehen. Die Heimszene rund um die Gruppen BLOCK E und BOIS tritt bei Heimspielen am Rand der Gegengerade gemeinsam hinter den jeweiligen Gruppenzaunfahnen auf. Zum Intro eine Choreo der Heimseite über die gesamte längsseitliche Tribüne samt Hochziehelement mit Wimpeln der bisherigen Partien auf dem Weg Richtung Europapokal. Endlich wieder Fußball, endlich wieder SC, endlich wieder Party im Block. Es gibt einfach nichts schöneres als irgendwo im Nirgendwo seine Lieder durchs weite (hier eher enge und runtergekomme) Rund zu schmettern. Europapokal ist einfach das Geilste, was es gibt. Besonderes Debüt: der “UEFA di merda”-Überhänger erblickt das Licht der Stadionwelt.
Frühes Gegentor und zugegebenermaßen geiler Torjubel auf der Heimseite – egal, der Mob hat Bock und zumindest im unteren Bereich des Gästeblocks geht die Lutzi. Die Jungs mit dem Greif auf der Brust werden’s schon noch richten. So kommt es dann auch, Doppelpack Ginter (Weltklassespieler) und Tor im Pflichtspieldebüt von Goto. Einfach eine brutale Truppe, der wir da Woche für Woche zuschauen. An den Pies als Stadionfraß scheiden sich die Geister (schmeckt übertrieben beschissen, welcher Insel-Affe hat sich den Schwachsinn ausgedacht?). Mir ist da die gute alte lange Rote dann doch etwas näher.
Erfolgreicher Pflichtspielauftakt, auf zum Bahnhof und ab in die Federn.
Am letzten Tag dann noch british Breakfast – na klar, bei Weatherspoons samt der Erkenntnis, dass man zum Frühstück weder Bier noch Cider bestellen kann und ab zum Flughafen.
In drei Tagen gehts ja bekanntlich weiter.
Sempre Avanti Friburgo!
Daten & Fakten:
Begegnung: Motherwell Football Club – Sport-Club Freiburg e.V. 1:3 (1:1)
Wettbewerb: Conference League, Play-offs, Hinspiel
Wann und Wo: Donnerstag, 20. August 2026, Fir Park, Motherwell
Zuschauerzahl: 8.945, davon ca. 450 SC-Fans
Den Greif auf der Brust trugen: Backhaus – Treu, Ginter, Rosenfelder (80. Lienhart), Makengo – Eggestein, Engelhardt, Beste (74. Irié), Suzuki (74. Grifo), Scherhant (90. Yilmaz) – Matanovic (80. Goto)
Tore: 1:0 Charles-Cook (2.), 1:1 Ginter (28.), 1:2 Ginter (65.), 1:3 Goto (90.+6)