Seite auswählen

Beim Heimspiel der Kölner Fortuna gegen Energie Cottbus am 21.10.18 wurde von der Kölner Gruppierung South City Rudeboyz ein Banner präsentiert, welches folgenden Inhalt hatte: „Gib brauner Energie keine Chance! Im Hambi, in Cottbus, überall“. Daneben waren ein durchgestrichenes Hakenkreuz, sowie ein durchgestrichenes RWE-Logo. Damit positionierte sich die Gruppe zum einen gegen den Kohleabbau durch RWE im nahegelegenen Hambacher Forst und zum anderen gegen rechte Tendenzen in der Fanszene des FC Energie. Man muss mit dem ersten Punkt nicht zwangsläufig übereinstimmen, dennoch ist diese Haltung völlig legitim. Dementsprechend ist es auch kein Verbrechen jene Ansicht der Dinge kundzutun.

Anderer Meinung war die Vereinsführung des Südstadtclubs. Gegen zwei Mitglieder der Rudeboyz wurden Stadionverbote verhängt. Nach dem Ablaufen der Stadionverbote wird die besagte Gruppe weiterhin existieren, jedoch bis auf weiteres nicht im Stadion anwesend sein. Man fühle sich beim eigenen Verein nicht mehr willkommen. Die Fortuna hat nicht nur die oben erwähnten Repressionen gegen die Gruppe ausgesprochen, sondern sich auch öffentlich von dem Banner, unter anderem mit der Aussage „Sprache und Symbolik suggeriere, dass Mitarbeiter von RWE mit Nazis gleichzusetzen seien“, distanziert. Es braucht sehr viel Fantasie, um in dem besagten Banner eine Gleichsetzung von RWE-Mitarbeitern mit Nazis zu erkennen. Vielmehr ist es einfach nur ein gelungenes Wortspiel, um zu zwei Themen Position zu beziehen.

Die Gruppe verweist außerdem darauf, dass das Spruchband zwar nicht angemeldet war, aber durch den Ordnungsdienst gebilligt wurde. Insgesamt war das Spruchband ca. 120 Minuten sichtbar und niemand habe sich daran gestört. Am darauffolgenden Montagmittag wurde ein Gesprächstermin zwischen beiden Parteien vereinbart. Kurioserweise wurde auf der Homepage nachmittags eine Distanzierung vom Inhalt des Banners veröffentlicht, in der davon berichtet wird, dass die „Verantwortlichen ermittelt und anschließend zur Verantwortung gezogen“ würden. Die Verantwortlichen standen zu diesem Zeitpunkt aber schon fest, da ja bereits ein Gesprächstermin für den nächsten Tag vereinbart wurde.

Man kann sich durchaus die Frage stellen, welchen Einfluss RWE auf die Vereinsführung ausgeübt hat, da einer der Hauptsponsoren zu 20% RWE gehört. Außerdem berichten die Rudeboyz in ihrem Statement, dass RWE gedroht habe, andere Sponsoren zu kontaktieren, um ihnen von einem weiteren Sponsoring bei Fortuna Köln abzuraten, sollte sich der Verein nicht distanzieren! In dieser Situation hätte die Vereinsführung von Fortuna Köln Haltung zeigen und sich hinter ihre Fans stellen oder dem Druck eines Konzerns nachgeben können. Die Vereinsführung hat sich für die zweite Option entschieden. Damit stellt dieser Schritt eine Zäsur dar, was die Meinungsfreiheit in deutschen Stadien angeht, welcher nicht unbeantwortet bleiben darf. Über die Causa Cottbus wurde im Übrigen kein Wort verloren. Wir fordern an dieser Stelle eine transparente Aufklärung und werden dafür einstehen, dass solche Ereignisse nicht zur Normalität werden.

Solidarität mit den South City Rudeboyz!