choreo halbfinale hsv

„Eine einmalige Chance wurde vergeben und tausendfache Träume sind an diesem Abend zerplatzt.“ So das Zitat aus dem Rückblick unseres Pokalausscheidens in Stuttgart-Cannstatt in der Fanblock-Aufgabe vom 05.05.2013. Ja, jener bittere Abend, an dem sich der Sport-Club bei seiner erstmaligen Teilnahme an einem Pokalhabfinale knapp geschlagen geben musste, tat schon sehr weh. Dass sich neun Jahre später erneut die Möglichkeit bieten sollte historisches zu vollbringen, entzog sich wohl auch für lange Zeit der Vorstellungskraft der kühnsten Optimisten aus Südbaden. Denn obwohl in den vergangenen Saisons vermeintliche Schwergewichte nahezu regelmäßig an Underdogs scheiterten oder sich gegeneinander zugeloste Titelaspiranten selbst aus dem Wettbewerb kegelten, kam man selbst seit 2015 nicht mehr über das Achtelfinale hinaus. Doch nachdem unser Herzensclub dieses Mal, wie auch 2013, Runde für Runde auf fremden Platz die Oberhand behielt und ebenso erneut einen Ligakonkurrenten im Viertelfinale auf dramatische Art und Weise nach Verlängerung niederringen konnte, durfte man sich also tatsächlich erneut Hoffnungen auf den Einzug ins Finale im Berliner Olympiastadion machen.

Aber der Reihe nach: Die Reise in den hohen Norden zum Hamburger Sportverein begann für den Autor dieser Zeilen von Mannheim aus, nachdem man am Abend zuvor den Ostermontag nutzte, um dem Spiel unserer U23 beim SV Waldhof beizuwohnen. Dies sollte sich mit einem Auswärtssieg und dem damit vorzeitig gesicherten Klassenerhalt nicht nur aus sportlicher Hinsicht bezahlt machen, sondern sich auch als bequeme Anreisealternative erweisen. Der Zug, der einen in die Hansestadt befördern sollte, war noch nicht einmal in den Bahnhof in der Kurpfalz eingefahren, da trudelten bereits die Meldungen ein, dass Teile unserer Delegation, die in Freiburg startete, den Zug bzw. den Zustieg in Mittelbaden verpasst haben. Und das obwohl sogar dreistellige Beträge für eine Taxifahrt gezahlt wurden, um noch rechtzeitig anzukommen. (Anmerkung der Redaktion: Es hat für alle Beteiligten noch zum Spielbeginn ins Stadion gereicht 😉 )

Während also vom Breisgau aus mal mehr und mal weniger gesammelt angereist wurde, ging es von Mannheim aus über NRW, Niedersachsen und Bremen in die zweitgrößte Stadt Deutschlands. Mit gerade einmal 10 Minuten Verspätung, die sich an jenem Tag als Bestwert in dieser Kategorie herausstellten, erreichte man den Hamburger Hauptbahnhof.  Wie schon im Zug, bildeten an diesem Dienstag auch auf dem Weg zum nahegelegenen Hostel die Personen, die sich nicht als SC-Anhänger zu erkennen gaben, eher die Ausnahme als die Regel und zum ersten Mal wurde einem klar, dass man hier und heute Zeuge von wirklich Großem werden könnte. Nach erfolgreichem Check-In ging es schnurstracks zurück zum Bahnhof, um gemeinsam mit den Nachzüglern aus Freiburg per S-Bahn und Shuttlebus den Weg zum Stadion anzutreten. Rund eine Dreiviertelstunde vor Anpfiff betrat man schließlich den Hamburger Volkspark. Entsprechend der klaren Devise “Einzigartiger Verein – Zieh ins Finale ein!” hüllten sich rund 6.000 mitgereiste Freiburger in rote und weiße Ponchos, die insgesamt ein sehr schickes Gesamtbild abgaben.

Bundesligist mit Europaambitionen gegen Verfolger im Aufstiegsrennen der 2.Liga. Während vor rund 15 Jahren noch ganz klar Ersteres auf die Hausherren zutraf und der Sport-Club zwischen Ober- und Unterhaus pendelte, haben sich inzwischen die Vorzeichen, auch wenn man sich wirklich ab und zu noch die Augen reiben muss, gewandelt. Doch auf dem Platz war von einer etwaigen Favoritenrolle auf rot-weißer Seite nichts zu erkennen. Es entwickelte sich eine ausgeglichene Partie, in der beide Mannschaften munter nach vorne spielten. Effizienter waren letztlich die Kicker mit dem Greif auf der Brust. Eine Ecke fand den Kopf Petersens, der zur frühen Führung traf, und Höfler konnte nach einem erzwungenen Ballgewinn in der HSV-Hälfte durch einen abgefälschten Distanzschuss kurz darauf nachlegen. Die Chancen der Hanseaten fanden ihren Weg entweder nicht aufs Tor oder ihren Meister in Flekken. Auf 0:3 erhöhte Grifo dann nach 35 Minuten per Elfer, für den es aus unbegreiflichen Gründen tatsächlich einen Eingriff des ungeliebten Videoassisten benötigte. Getrieben von der klaren Führung und dem Glauben an den Finaleinzug wurde im Gästeblock ein Gesang nach dem Nächsten so lautstark wie selten zelebriert. Dies war aber auch ganz klar dem Umstand zu verdanken, dass sich die breite Mehrheit der Sitzplätze das gesamte Spiel über erhob und tatkräftig in den Support miteinstimmte. Kompliment dafür und gerne immer so! Der zweite Durchgang büßte dann doch etwas an Unterhaltungswert ein. Zwar kontrollierte der SCF über weite Strecken das Geschehen und doch wurde es durch die andauernden Blicke auf die Anzeigetafel, von welcher die Zeit einfach nicht herunter ticken wollte, mitunter etwas zäh. Allmählich zeichnete sich das fünfte Weiterkommen im fünften Pokalspiel dann doch ab und auch der Anschlusstreffer des einstiegen Bundesliga-Dinos in der Schlussphase war nur noch Ergebniskosmetik. Etwa 95 Minuten waren gespielt, da war es soweit: Der Moment, in dem der Traum Realität und jedem klar wurde: Wir haben es vollbracht. Wir haben Geschichte geschrieben! Szenerien voller unbeschreiblicher Freude, ausgelassene Jubelchöre wie man sie noch nie erlebt hat und ja, vereinzelt übermannten einen auch die Emotionen und es flossen Tränen des Glücks. Worte für einen Abend, der auf ewig in die Historie des einzigartigen und wunderbaren Sport-Club Freiburg e.V. eingehen wird, und die sich dabei zugetragenen Bilder gibt es einfach nicht.

Spieler, Trainer, Betreuer, Verantwortliche ließen sich noch lange vor der Freiburger Kurve feiern, da hatte sich die übrigen Tribünen nahezu schon komplett geleert. Es war bereits Mitternacht vergangen, als man die im Stadionumfeld gelegenen Bushaltestellen erreichte und das Stadtgebiet Hamburgs ansteuerte. Wie unzählige weitere Sport-Club-Anhänger kannte auch unsere Reisetruppe in jener denkwürdigen Nacht nur ein Ziel: Die Reeperbahn. Gebührend und entsprechend trinkfreudig wurde hier bis in die Morgenstunden gefeiert, ehe es für manche auf die Heimreise und andere ins Hotel ging. Festzuhalten blieb, dass egal wo und zu welcher Uhrzeit prächtig geschlummert wurde.

Und eines ist ebenfalls sicher: Die rote Fahne, sie wird wehen, wenn wir dann am 21.05.2022 erstmalig im Pokalfinale stehen!