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Betrachtet man aktuell die Auswärtsfahrten des SC, fällt auf, dass der Kilometerzähler ordentlich in die Höhe getrieben wird. Vor kurzem Berlin, dieses Mal Bremen , danach zweimal NRW und dann wieder Berlin. Zur Hansestadt brachen wir gegen Mitternacht auf und nach einer unspektakulären Fahrt kam der Bus an einem grauen Samstagvormittag am Osterdeich zum Stehen. Der Großteil der mitreisenden Gruppenmitglieder verweilte im Wirtshaus zum gelben Wagen. Während einerseits in der Bremer Altstadt erfolgreich ein rundes Leder erworben wurde und nach langer Zeit wieder eine wunderbare Rolltreppenfahrt von der ToDo-Liste gestrichen werden konnte, orderte die Besatzung in der Kneipe auf Rädern bei einem Lieferdienst, der irgendwie so ähnlich wie Bon Jovi heißt, eine Lieferung hauptsächlich italienischer „Köstlichkeiten“. „Kicken – Gammeln – Verdauen“  standen in jenen Herbststunden ziemlich hoch in der Tagesordnung.

Am Eingang zum Gästeblock des Weserstadions war, wie die Jahre zuvor schon, Zweiklassengesellschaft angesagt. „Verdächtige“ Personen durften sich in einem angeschlossenen Käfig einer Sonderbehandlung unterziehen – schön.
Kurz nach dem 10. Todestag unseres langjährigen Präsidenten Achim Stocker sollte nun die bis dato erfolgreiche Saison fortgesetzt werden. Wenn man zurückdenkt, wird einem einfallen, dass Achim Stocker im Anschluss an seinen Tod mit einer großen Choreografie im gesamten Dreisamstadion bedacht wurde. Der Gegner hieß damals ebenfalls Werder Bremen. Die Mannschaft in den roten Trikots konnte den Hoffnungen auf einen Sieg zu Ehren unseres Präsidenten leider nicht gerecht werden. Man verlor mit 0:6.
Inzwischen begegnen sich beide Mannschaften meistens spielerisch auf Augenhöhe. Wenn man das Ausscheiden aus dem Pokal 2017 und die Niederlage in der letzten Runde ausklammert, muss man bei der Suche nach einer Pleite am Osterdeich bis in das Jahr 2011 zurückblättern. Für Freiburger Auswärtsverhältnisse ist dieser Fakt schon beinahe rekordverdächtig.

Auf dem Spielfeld wurde für den neutralen Beobachter ein spannender Kick geboten. Noch innerhalb der ersten zehn Minuten wähnte man sich im Rückstand. Vor allem deshalb ärgerlich, weil man kurz zuvor selbst drauf und dran war den Führungstreffer zu erzielen. Die kurzzeitige Freude über den Ausgleich wurde einem durch den Hinweis vom Keller-Kino-Schiri genommen. Danke dafür, braucht kein Mensch. Pavlenka im Kasten der Grün-Weißen erlebte einen Rabentag. Petersen lief zur 28. Minute den Keeper an. Dieser konnte den Ball nicht mehr rechtzeitig wegdreschen und die daraus entstehende Chance nutzte der SC-Stürmer gekonnt. Den fallenden Ball gut zu treffen, ist selbst in der Bundesliga keine Selbstverständlichkeit.
Zur zweiten Halbzeit zeigten die verspätet angekommenen Corrillo-Ultras eine kleine Choreo, bestehend aus länglichen Luftballons. Die Stehplätze im Gästeblock waren ausverkauft, die Stimmung ließ dennoch eher zu wünschen übrig.
Insgesamt war der SVW die bessere Mannschaft. Im Gegensatz zu seinem Bremer Pendant hatte Schwolow-Vertreter Flekken aber einen guten Tag erwischt. Nicht nur einmal vereitelte dieser das Aufstocken der Bremer Toranzeige. Man hätte darüber spekulieren können, ob er auch das 2:1 hätte verhindern können, aber von einem Muss kann jedenfalls nicht die Rede sein.
In der Nachspielzeit fiel der glückliche, jedoch auch nicht komplett unverdiente Ausgleich für unsere Jungs. Zuvor wurden schon einige gute Chancen zum Freiburger Leidwesen liegen gelassen. Petersen hatte aus spitzem Winkel, aus dem man eigentlich nicht treffen konnte, die Kugel nach einer Freistoßhereingabe per Kopf in Richtung Tor befördert. Erneut sah Pavlenka ziemlich schlecht aus, weil er den Ball mehr oder weniger selbst ins Tor drückte.  Der ausgelassene Torjubel startete mit einer leichten Spätzündung, da man die Chance schon vor die Hunde gehen sah und nicht mehr damit gerechnet hatte, dass der Ball den Weg ins Tor finden würde. Es herrschte euphorische Stimmung, wenn auch nur nach den zwei bzw. drei Toren. Leider betrachtete ein nicht geringer Anteil der Anwesenden Gästefans das Geschehen auf dem Rasen hauptsächlich in Ruhe. Ausschläge im besonderen Maße wurden vom Riot-Geigerzähler nicht aufgezeichnet.

Ohne besondere Vorkommnisse, aber dafür ein bisschen in Erinnerungen schwelgend, fuhren wir wieder nach Hause.