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Vier unserer Mitglieder waren in der vergangenen Winterpause in der Welt unterwegs und haben unter anderem unsere Freunde vom Sydney FC besucht. Darunter zwei Kaputte, die für nicht mal zwei Wochen extra deswegen an das andere Ende der Welt geflogen sind. Dazu kommt ein Weltenbummler, der vom einen Abenteuer in das nächste schlittert und sich erst dann Gedanken zu gewissen Problemchen macht, wenn sie da sind und nicht früher. Zu (un)guter Letzt haben wir noch einen Kackvogel, jener im Rahmen von Work & Travel sein Unwesen in Australien getrieben hat. Gearbeitet hat er dort unten fast gar nicht. Laut eigener Aussage hat er in Sydney beim Renovieren geholfen und eine Steckdose installiert. Respekt dafür! Kein Wunder, dass die Ernährung sich irgendwann nur noch auf Nudeln mit Soße begrenzt.

Für den Schreiber dieser Zeilen beginnt die Reise am Bahnhof Offenburg, ehe man ab Frankfurt mit dem Flieger unterwegs war. Von Frankfurt nach Amsterdam, von dort weiter nach Xiamen in China und schließlich nach Sydney. Eine unendlich lange Reise (alleine die reine Flugzeit betrug knapp 22 Stunden), geprägt von langem Sitzen, brutalen Yahtzee-/Kniffelduellen und einem elf Stunden dauernden Horroraufenthalt, hatte am Samstag, den 29.12.18 vorläufig ihr Ende gefunden. Jetzt erstmal ausruh… nix gibts! So einfach läuft das nicht. Vom Flughafen brachten wir unser Gepäck zu unserer ersten Gastgeberin, welche nebenbei bemerkt Szenefotografin ist. Wir verweilten dort aber nicht lange. Fußball war angesagt! Ein Wunder, dass die ankommenden Touris hier nicht der Reihe nach in Ohnmacht fallen. Einerseits setzte mir die Hitze denkbar heftig zu und zum anderen glotzte ich nicht schlecht, als ich sah, um wie viel Dollar mein Guthaben auf der Opal-Card (Karte für die öffentl. Verkehrsmittel) nach dem ersten kurzen Zugtrip vom Flughafen bis in die Stadt geschrumpft war. Australien ist zwar ein teures Land, aber im Verlauf der nächsten Tage stellte man zum Glück fest, dass es sich hierbei nur um eine Ausnahme für die Ankömmlinge vom Flughafen handelte. Insbesondere am Sonntag ist es sogar sehr günstig mit den Öffis zu fahren.

Sydney FC – Brisbane Roar 2:1, 29.12.18

Zurück zum wesentlichen Thema. Allzu viel Zeit um sich zu eingewöhnen, blieb einem nicht. Die Skyblues hatten ein Heimspiel und so machten wir uns mit unserer Gastgeberin auf den Weg zum Treffpunkt des Harbour City Service (HCS), welcher zwei Bahnstationen abseits des Stadions lag. Glücklicherweise gibt es in den australischen Kneipen, die irgendwie alle irgendetwas mit Hotel heißen, Trinkwasser umsonst. Während der ein oder andere sich ein Bier genehmigte, füllte ich den Tank ordentlich mit Wasser. Noch erfreulicher, als die Erfrischung, war das Wiedersehen mit einigen Gesichtern, jene man bereits schon im wilden Südwesten der Bundesrepublik antreffen durfte. Verglichen mit europäischen Verhältnissen lassen sich viele Fans erst spät am Ort des Geschehens blicken. Da das eigentliche Stadion des SFC plattgemacht und neu errichtet werden soll, trägt der Verein seine Duelle auf verschiedenen Plätzen der Stadt aus. Zum damaligen Zeitpunkt wurde im Jubilee Oval gespielt. Ein rundes Stadion mit einigen Rängen hinter den Toren, Grünflächen zum Sitzen und einer überdachten Haupttribüne. Wir gesellten uns in die Fankurve, auch „The Cove“ genannt, wo die Sydney & Freiburg-Fahne bereits am Geländer befestigt war. Es verstrichen einige Minuten und schon rollte der Ball. Sydney ging als klarer Favorit gegen Brisbane in die Partie. Die Zeiten sind gezählt, als ein gewisser Thomas Broich die A-League für die Löwen aufmischte. Während Sydney zum damaligen Zeitpunkt unter den ersten Drei in der Tabelle weilte, dümpelte Brisbane im Tabellenkeller rum. Ohne Witz, der australische Fußball ist zum Kotzen. Im Spiel ist kaum Bewegung zu erkennen und Leute aus der Offensivabteilung machten sich keinerlei Mühe mitzuarbeiten, wenn der Gegner im Ballbesitz war. Zur Freude der Anhängerschaft erzielten die Boys in Blue nach einer Viertelstunde das 1:0. Die Stimmung war für einen Europäer dennoch gewöhnungsbedürftig. Ohne Dach und mit einer relativ großen Distanz zum Feld, fiel es schwer sich auf dem Platz Gehör zu verschaffen. Die Gesänge haben außerdem meistens einen langsamen Rhythmus und immer wieder werden Spieler mit fröhlichen oder hämischen Gesängen zum Thema gemacht. Den größten Unterschied erkenne ich aber beim Videobeweis. In den deutschen Szenen ist er verpönt – hier wird er sogar mit „VAR“-Rufen gefordert. Kann damit zusammen hängen, dass man ihn schon von in Australien populäreren Sportarten gewohnt ist.

Noch vor der Halbzeit machte Brisbane durch ein Kacktor den Ausgleich klar. Wie könnte es auch anders sein? Im zweiten Durchgang gelang der erneute Führungstreffer. In den Abendstunden von Sydney wurde munter gesungen bis kurz vor Schluss der Schiedsrichter auf Elfmeter für die Gäste entschied. Trotz Videobeweis eine strittige Geschichte! Ein Unentschieden wäre unverdient gewesen. Das dachte sich auch Torhüter Redmayne. Nicht immer der Sicherste im Kasten, aber bei Strafstößen eine absolute Waffe. Er parierte und damit waren die drei Punkte im Kampf um den Titel gesichert. Nachdem das Gruppenfoto von der ToDo-Liste abgehakt war, wurden noch ein paar Getränke in den Rachen gekippt und anschließend so richtig gepennt! War bitter nötig nach der langen Reise, obwohl man als Freiburger, es insbesondere durch die ersten Pokalrunden ja irgendwie gewohnt ist, gefühlt bis ans andere Ende der Milchstraße zu tingeln.

Sydney FC – Central Coast Mariners 5:2, 04.01.19

Mit Sightseeing, Sylvester und Abstechern nach Newcastle sowie zum Western Sydney-Scum wurde die Zeit bis zum nächsten Spiel “überbrückt“. Mit Central Coast stand erneut ein Kellerkind vor der Tür. Es war wieder sehr warm und trotzdem waren wir gewillt unseren Freunden aus der Harbour City ein weiteres Mal unsere Stimmen zu schenken. Sydney geriet zunächst in Rückstand. Eine Weile später wurde ein Spieler der Gäste vom Platz gestellt, was vom Publikum mit „Nanana hey hey – goodbye!“-Gesängen begleitet wurde. Die Druckphase zum Ende des ersten Durchgangs brachte nichts mehr ein. Zur Pause hinten gegen den Tabellenletzten – so ein Dreck! Von nun an sollte jedoch alles besser werden. Direkt in der Anfangsphase bescherte man uns per Hacke den Ausgleich und nach insgesamt sieben Minuten war das Spiel durch einen verwandelten Elfmeter gedreht. Der von mir so oft geschimpfte australische Fußball bereitete tatsächlich wahre Freude. Das Geschehen auf dem Rasen hatte zudem eine befreiende Wirkung auf die Kurve. Aussagen zufolge war die Stimmung besser als gegen den größten Rivalen Melbourne Victory. Nach 64 gespielten Minuten lautete das Ergebnis 4:1. 4:1! Verdammte Scheiße, war das geil! Kapitän Brosque erzielte drei Tore und das letzte davon, ein wunderschöner Heber kurz vor der 16er-Linie, ließ einen nur so dahinschmelzen. Ausnahmsweise waren daran nicht die Temperaturen schuld. Das zwischenzeitliche 4:2 kratzte niemanden so wirklich. Stattdessen wurde von Verteidiger Calver das Sahnehäubchen serviert. Per Volley donnerte er den Ball zum Entstand von 5:2 in die Maschen.

Danach ging es zum „Hauptgang“. Wir wurden in den angeblich besten Dönerladen Sydneys geführt und zur Snack-Pack (HSP) eingeladen. Bei HSP reden wir von dem größten Kulturgut, das ich in meinen Gedanken nach Deutschland mitgenommen habe. Der kulinarischen Talfahrt in Form von McD, Hungry Jacks und Domino’s wurde ein Ende gesetzt und man wähnte sich im Antlitz dieser Köstlichkeit in himmlischen Sphären. Ein Pizzakarton gefüllt mit Pommes, einer Käseschicht, Fleisch und darüber drei Soßen lassen meine Augen bis heute glänzen.

Perth Glory – Sydney FC 3:1, 09.01.19

Gästefans trifft man bei den weit entfernten Spielen hauptsächlich nur dann, wenn diese aus der Umgebung stammen, wo der Kick über die Bühne gehen soll. Ist aber durchaus verständlich, wenn der Austragungsort mehr als nur eine Zeitzone entfernt liegt. Ohne Schlaf ging für uns zu zweit am frühen Morgen zum Flughafen für die Inlandsflüge. Begleitung aus der Hafenstadt in Richtung Perth gab es leider keine. Das lag nicht nur an der weiten Strecke, sondern auch an der Anstoßzeit. Am Mittwochabend kann man im Normalfall halt nicht einfach so nach Perth und damit an das andere Ende des Kontinents reisen. Rein geografisch betrachtet, ist das in etwa so, als ob der SC unter der Woche im Iran um die Punkte kämpfen müsste. Es wurde erklärt, dass man in diesen Fällen meistens lieber von Sydney aus das Spiel verfolgt, um dafür wiederum zahlreich zu ausgewählten Terminen am Schauplatz erscheinen zu können.

In Perth angekommen, erwartete uns schon wieder eine elende Hitze. Das Gepäck wurde im Schließfach verstaut und anschließend bummelte man mit dem Bus in die Stadt. Um eines vorweg zu nehmen, der Tag war zum Kotzen. Die City hatte aus unserer Sicht für den einen Tag kaum etwas zu bieten, der Sonnenbrand war vorprogrammiert und der Gedanke an die anstrengende Heimreise zerrte gewaltig an der Motivation. Die Zeit bis zum Einlass wurde irgendwie mit herumlaufen, gammeln am Wasser unter einer Palme und Kartenspielen auf einer Bank vor dem Stadion verbracht. Das Perth Oval erinnerte durch den Baustil an Stadien, wie es sie oft beim Tennis zu betrachten gibt. Von einem Fußballtempel konnte nicht unbedingt die Rede sein, aber dennoch bestand keinerlei Verwechslungsgefahr mit einem Baumarkt. Die Flutlichtmasten und die Tatsache, dass jede Tribünenseite individuell aufgebaut war, ließen ausnahmsweise nicht zu wünschen übrig. Es gab sogar einen kleinen Stehplatzbereich ohne Sitzplätze für den Perth-Pöbel im Oberrang hinter dem Tor. Eine kleine Trommlergruppe wanderte vor dem Anpfiff unter den Tribünen herum und stimmte sich auf das Spiel ein. Kann man mögen, muss man aber nicht.

Im Gästeblock hatten sich, entgegen unserer Erwartung, ca. 100 Fans eingefunden. Support gab es keinen, aber angesichts des Spielverlaufs wäre die Stimmung früher oder später sowieso im Keller gelandet. Der Halbzeitstand lautete 3:0 für Perth und jedes verdammte Tor wäre durch ein besseres Stellungsspiel absolut vermeidbar gewesen. Die nervigen Gesangseinlagen der Perth-Fans lösten bei uns nur noch mehr Sehnsuchtsgefühle nach dem Ende der Partie aus. Der sehenswerte Ehrentreffer durch Adam le Fondre war aus himmelblauer Sicht das Highlight eines miserablen Spiels. Einige Minuten nach Schlusspfiff vergingen und wir kehrten dem Stadion allmählich den Rücken zu. Es ging zurück zum Flughafen. Unsere Zeit in Australien neigte sich dem Ende entgegen und die Erleichterung war groß, als man viele Stunden später mit Zwischenstation in Kuala Lumpur und Maskat auf europäischem Boden angelangt war.


Inzwischen sind nun fünf Monate vergangen und wir blicken gerne auf unseren Aufenthalt in Down Under zurück. Zum Ende der Saison belegten die Boys in Blue in der A-League den zweiten Tabellenplatz und konnten zu unserer Freude in der Play-Off-Runde die Meisterschaft gewinnen. Vor dem Finale zeigte unsere Gruppe ein Spruchband, das die Jungs und Mädels für das Grand-Final ordentlich motivieren sollte und sogar in einigen australischen Medien für Aufsehen sorgte. An dieser Stelle möchten wir uns außerdem nochmal herzlich bei unseren Freunden aus Sydney für die Gastfreundschaft und die Einblicke in eine andere (Fußball-)kultur bedanken. Mit gegenseitigen Besuchen verschiedener Einzelpersonen und Gruppen sowie durch einen fortlaufenden Austausch über die Wege des Internets, lässt sich eine Freundschaft trotz großer geografischer Distanz am Leben erhalten. Wir werden uns wiedersehen!